Heimatkreis Plan-Weseritz e.V.
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Kschellowitz



Das Dorf liegt im Süden des ehemaligen Gerichtsbezirks Weseritz in einer Talmulde, umgeben von leicht hügeligem Gelände.

Zur Zeit der Vertreibung zählte die Gemeinde 73 Anwesen mit 395 Einwohnern. Meist waren diese in der Landwirtschaft beschäftigt. Einige gingen saisonweise auswärts dem Baugewerbe nach, in der Regel wanderten sie nach Sachsen. Man nannte sie die „Sachsenmaurer“. Auch eine Schmiede und eine Schule mit einem Lehrer gab es hier. Zur Kirche ging man nach Schippin oder fuhr dorthin mit dem Pferdegespann. Rund um diese kleine Wallfahrtskirche liegt auch der Friedhof für die vier dorthin eingepfarrten Dörfer.
Kschellowitz hatte eine Raiffeisengenossenschaft mit zuletzt 132 Mitgliedern, zwei Gastwirtschaften mit Metzgerei und zwei Kaufläden. Auch andere Handwerksberufe waren vertreten. Zwei Ziegeleien – eine am südlichen und eine am nördlichen Dorfende – vervollständigten die Zahl der verschiedenen Gewerbe.

Um das kulturelle und gesellschaftliche Leben kümmerten sich neben dem Lehrer eine Ortsgruppe der Deutschen Landjugend, die Freiwillige Feuerwehr, der Kulturverband und vor allem die weit im Umkreis bekannte Musikkapelle, deren Kern aus den Mitgliedern der Familie Werschnik bestand. Einer von ihnen, der junge Alois Werschnik, konnte nach der Vertreibung eine Musikhochschule besuchen und wurde Klarinettist im Orchester des Stadttheaters München.

Die Gemarkung von Kschellowitz, also die Gesamtfläche der Gemeinde, umfasste 916 ha, davon waren mehr als die Hälfte, nämlich 488 ha Ackerfläche, 60 ha Wiesen, 89 ha Viehweide und 252 ha Wald. Der Rest verteilte sich auf das Dorf mit seinen Straßen, Wegen, dem Donamühlbach und dem unteren und oberen Teich. Auf den Wiesen und an den Wegrändern befanden sich ertragreiche Obstbäume. Für die Bienenzucht herrschten gute Bedingungen. Auch einen Weinberg gab es hier, auf dem aus dem 19. Jahrhundert der Weinanbau bekannt ist. Das Bild der Wälder prägten meist – wie damals üblich – Fichten und Föhren. Dazu fanden sich aber auch Birken, Eichen und Lärchen. Zahlreiches Wild hielt sich dort auf. Die Jagd wurde von einheimischen Pächtern ausgeübt. Der landwirtschaftlich genutzte Boden war von mittlerer Qualität, doch er ernährte die Bewohner und zeitigte gelegentlich beachtliche Ernteerträge.

Flurnamen: Talza, Gstalka, Sahara, Werwovzk, beim Weinberg, am Kreuzen, gegen Gerschowa, Pokeslav und Malkowitz.

Wie bei mehreren Orten in der Umgebung endet der Ortsname auf „-itz“. Dem liegt das slawische Wort „vic“ = Dorf zugrunde. Mit dem Personennamen „Chřel“ als Grundwort kann man den Ortsnamen als „Dorf des Krschel“ erklären. Im frühen und hohen Mittelalter dominierte in dieser Gegend das slawische Bevölkerungselement, bevor das Dorf später deutschsprachig wurde. Auch die Flurnamen zeugen von den deutsch-tschechischen Beziehungen in der Entwicklung des Ortes.

Wann die ersten Häuser hier entstanden ist unbekannt. 1183 wird die Siedlung erstmals in einem geschriebenen Text erwähnt, als Friedrich, der Herzog von Böhmen aus dem Geschlecht der Přemysliden, sein und seines Vaters Dorf namens „Csiellowics“ dem Zisterzienserkloster Plass unweit von Pilsen übereignete. 1381 lesen wir dann in den schriftlichen Quellen, dass das Dorf einst einem Ritter Borscho, dessen Bruder Wyschemir und ihrer beiden Mutter Strzieska gehört hatte. Wo der Wohnsitz dieser tschechischen Adligen lag, ist nicht bekannt. Sicher ist dagegen, dass sie hier kurz nacheinander verstarben und dass ihr Besitz an einen „Artlebus de Rupowa“ überging, der auch schon im nahe gelegenen Ort Malkowitz begütert war. Außergewöhnliches ist in und mit dem Dorf im Lauf der Geschichte nicht passiert. Im Jahr 1506 taucht es in einem Besitzverzeichnis der Herrschaft Schwanberg auf. Ein Simon Stanka aus „Krzelowicze“ hat sich 1645 noch während des Dreißigjährigen Krieges als Meister in die Schusterzunft von Weseritz aufnehmen lassen und 1861 ließ die Gemeinde durch den Maurermeister Wenzel Jäger ein Schulhaus errichten. Zuvor wurden die Kinder – wenn überhaupt – in einer sogenannten Wanderschule unterrichtet, das heißt, sie trafen sich abwechselnd in verschiedenen Bauernhäusern und der Lehrer und der Pfarrer kamen dorthin und unterwiesen ihre Schüler in den Grundlagen des Lesens, Schreibens, Rechnens und der Religion. Als 1881 eine zweite Schulklasse eingerichtet wurde und das Schulhaus auch eine Lehrerwohnung erhielt, musste es umgebaut und aufgestockt werden. Im Jahr zuvor war die Dorfglocke, die auf dem Dach des alten Schulhauses installiert war, auf die Schmiede übertragen worden.
Diese Glocke wurde zu ganz bestimmten Gelegenheit betätigt: zum „Angelus“, der die Mittagspause und den Feierabend auf den Feldern verkündete, bei Todesfällen, beim Herannahen eines Gewitters und bei Bränden. Vor der Umstellung vom Holzschindeldach auf das Ziegel- oder Blechdach zu einer Zeit, als die meisten Häuser im Erdgeschoß in Blockbauweise aus Holz errichtet waren, und bei dem üblichen Heizen mit Holz und dem Kochen über offenem Feuer war die Brandgefahr bis ins frühe 20. Jahrhundert besonders groß. So wurden am 5. April 1857 des Nachts die Anwesen Nr. 6, 7, 8, 9 und 10 vollständig ein Opfer der Flammen, nachdem in der Scheune von Nr. 9 ein Feuer ausgebrochen war. 1920 brannte das Haus des Anwesens Werschnik bis auf die Grundmauern nieder. Auch 1926 und 1932 gab es kleinere Brände, zu dieser Zeit waren jedoch schon viele Häuser in Massivbauweise, d.h. aus Stein neu errichtet und die Vorgängergebäude abgetragen worden. Dadurch konnten die Brände keinen so großen Schaden wie früher anrichten. Zudem gab es mittlerweile eine freiwillige Feuerwehr, die in solchen Notsituationen zur Stelle war.
Im Ersten Weltkrieg waren 24 Männer des Dorfes gefallen. Ihnen zu Ehren und zum Gedenken wurde in der Ortsmitte ein großes Kriegerdenkmal errichtet. Der Zweite Weltkrieg forderte seinen Tribut mit 23 Gefallenen und Vermissten. 1946 wurde fast die ganze Dorfbevölkerung vertrieben. Ihre Transporte gingen nach Bayern, Hessen und die damalige Sowjetische Besatzungszone.

Ralf Heimrath


Literatur:

Über Grenzen hinweg. Land und Leute des Plan-Weseritzer Bezirkes. Tirschenreuth und Mähring, Selbstverlag des Heimatkreises Plan-Weseritz e.V. Geisenfeld 1964. 2., verb. Aufl. Tirschenreuth 1984, S. 600-602 (Autor A.H.).

Heimrath, Ralf: Der ehemalige Gerichtsbezirk Weseritz in der westböhmischen Besiedelungsgeschichte. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder Bd. 23 Heft 2 (1982) S. 277-306, hier S. 288.

Heimrath, Ralf: Hinter Berg und Eiche. Studien zu Ortsnamen und Siedlungsgeschichte im Gerichtsbezirk Plan-Weseritz und ihre Aussagen zum deutsch-tschechischen Verhältnis. Augsburg 1994, S. 18.

Regesta diplomatica noc non epistularia Bohemiae et Moraviae. Hrsg. v Karel Jaromir Erben und Josef Emler Bd. 1, Prag 1855 Nr. 378. Die in lateinischer Sprache abgefasste Quelle ist im Internet einsehbar unter: http://cs.wikipedia.org/wiki/Regesta_diplomatica_nec_non_epistolaria_Bohemiae_et_Moraviae.


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