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Sinzendorf


Die Familie von Sinzendorf stammt aus dem Bayrischen. Sie leiteten ihren Ursprung von Herzog Heinrich in Bayern ab. Dessen Sohn soll ein Eticho, Graf von Altdorf gewesen sein. Dieser  hatte einen Sohn namens Guelphus (Welf) und dessen Sohn war wiederum ein Heinrich. Nach den Recherchen im Internet habe ich herausgefunden, dass es einen Heinrich mit dem Goldenen Wagen gab, der das Kloster Altdorf gestiftet hat, aus dem dann die Abtei Weingarten hervorging. In der nächsten Generation gab es einen Rudolf I., Konrad den Heiligen und Eticho, die Brüder waren. Dass aber Heinrich mit dem Goldenen Wagen der Vater ist, wird nur vermutet. Eticho ist im Dom von Konstanz begraben, weitere Informationen über ihn habe ich nicht gefunden. Welf II. war ein Sohn Rudolfs II. und hatte einen Bruder namens Heinrich, der aber bereits um das Jahr 1000 gestorben sein soll. Welf II. hatte nur einen Sohn, Welf III., der kinderlos war und eine Tochter namens Kunigunde. Eine Verbindung zu den Welfen konnte ich bisher nicht herausfinden.
Dieser Heinrich, der der Sohn eines Guelphus gewesen sein soll, lebte um 1044 und benannte sich nach dem Schloss Sinzendorf in Oberösterreich. Als erste Stammvater, der nachgewiesen ist, gilt Wolfhard von Sinzendorf, dessen Sohn Eberhard wurde 1395 geboren. Eines der Kinder von Eberhard war ein Leonhard, der mit Barbara Mühlwanger (verw. Jörger, nach anderen Quellen war Jorger der Mädchenname der Mutter von Barbara) verheiratet war. Deren Söhne Lorenz und Reinprecht waren die Stammväter der beiden Hauptlinien. Lorenz bildete die Ernstbrunner oder Feyereggsche Linie und Reinprecht die Fridauische oder Neuburgische Linie. Die Ernstbrunner Linie nannte sich nach dem Schloss Ernstbrunn in Niederösterreich, das heute im Besitz der Familie Reuss ist. Und Fridau ist eine Stadt in der Untersteiermark mit gleichnamigem Schloss. Die Fridauische Linie starb im August 1832 aus. Die Ernstbrunner Familie teilte sich bei den Söhnen von Johann Joachim nochmals in 3 Linien: den Hauptast mit Johann Weikhard Michael Wenzelslaus, den Mittleren Ast mit Adolph Michael Thomas und den Jüngeren Ast mit Michael Johann Joachim. Der mittlere und jüngere Ast der Ernstbrunner Linie starben gegen Ende des 18. Jahrhunderts aus in männlicher Linie aus, der ältere Ast im August 1822 in männlicher Linien und mit dem Tod Anna, der Schwester des Grafen Prosper starb das Geschlecht ganz aus. Nach langen Erbstreitigkeiten kam Schloss Ernstbrunn in den Besitz der Grafen von Reuß, (eine Tochter Rudolfs von Sinzendorf war mit Heinrich I. Reuß verheiratet. Die Familie Reuß bewohnt Schloss Ernstbrunn noch heute).
Die Sinzendorfer wurden 1610 zu Freiherren ernannt und 1653 zu Reichsgrafen. Prosper, der letzte Sinzendorf der Ernstbrunner Linie wurden 1803 gefürstet.

Welche bekannten Familienmitglieder gab es nun? Am 17.06.1616 kam in Isenburg Georg Ludwig von Sinzendorf zur Welt. Er trat in kaiserliche Dienste und wurde 1646 zum Vizepräsidenten der kaiserlichen Hofkammer ernannt. 1654 wurde er Reichserbschatzmeister, 1656 Mitglied des Geheimen Rates und Präsident der Hofkammer. Somit war er Vorsitzender der höchsten kaiserlichen Finanzbehörde. Er galt als einer der reichsten Männer und das neideten ihm wohl einige, die ihn der Korruption und der Falschmünzerei beschuldigten. Gegen ihn wurde ein Strafprozess eingeleitet. 1680 wurde Georg Ludwig wegen Vernachlässigung  des Amtes, Meineid, Unterschlagung, Betrug, Fälschung, Korruption, Erpressung und Diebstahl zur Rückzahlung von 1.970.000 Gulden und Verlust aller Ämter verurteilt, seine Grafschaft Neuburg wurde eingezogen. Die Strafe wurde dann um ein Viertel ermäßigt. Sinzendorf verkaufte einen Teil seines Besitzes an Christoph Ignaz Abele, der an seinem Sturz beteiligt war. Georg Ludwig durfte auf seinen Gütern bleiben, verstarb aber schon 1681. Sein ältester Sohn Christian Ludwig fiel in der Schlacht bei Mohacs.

Philipp Ludwig Wenzel war ein weiterer Sohn von Georg Ludwig. Geboren am 26.12.1671, war er für den geistlichen Dienst vorgesehen und erlangte die Domherrenstelle in Köln. Als jedoch sein älterer Bruder ums Leben kam, trat er in den Militärdienst. 1694 wurde er zum kaiserlichen Kämmerer ernannt, 1695 Mitglied im Reichshofrat. 1699 wurde er kaiserlicher Gesandter am Hof in Versailles. Doch nicht lange konnte er in Frankreich bleiben, denn der spanische Erbfolgekrieg  brach aus. Nach dem Tod Kaiser Leopolds wurde Sinzendorf von Kaiser Joseph I. zum Hofkanzler und später zum Obersthofkanzler ernannt. Fast 40 Jahre spielte Graf Sinzendorf eine zentrale Rolle in der habsburgischen Außenpolitik. Nach dem Tod Kaiser Josephs war er ein Kämpfer für die Wahl Karls VI. zum Kaiser. Und nach dessen Tod half er Maria Theresia ihre Erbansprüche durchzusetzen. Philipp Ludwig Wenzel Graf Sinzendorf starb am 08.02.1742 in Wien.

Sein zweitgeborener Sohn, Philipp Ludwig, geboren am 14.07.1699 in Paris, war wie der Vater für den geistlichen Dienst bestimmt. Ab 1714 studierte er am Jesuitenkolleg in Rom und wurde 1717 in Theologie und Rechtswissenschaften promoviert. 1722 wurde er zum Priester geweiht, hatte da aber bereits Kanonikate in Köln, Salzburg und Olmütz inne. 1725 wurde er zum Bischof des ungarischen Bistums Raab gewählt, obwohl er das Mindestalter für Bischöfe noch nicht erreicht hatte. Schon zwei Jahre später wurde er zum Kardinal ernannt.

Kaiser Karl VI. setzte sich für die Wahl Philipp Ludwigs als Bischof von Breslau ein und gegen den Widerstand des Domkapitels wurde er doch zum Fürstbischof von Breslau ernannt.  Während seiner Zeit als Breslauer Bischof fiel der größte Teil seiner Diözese nach dem Ersten Schlesischen Krieg an Preußen. Obwohl das Domkapital gegen Friedrich II. arbeitete, sucht der Fürstbischof eine Annäherung. Doch das imponierte Friedrich II. wenig, denn 1743 wurde Philipp Gotthard von Schaffgotsch zum Koadjutor (Bischof als Beistand zum ersten Bischof) ernannt.  Philipp Ludwig setzte sich für Toleranz in Religionsangelegenheiten ein. So forderte er seine Untertanen auf, christlich miteinander umzugehen und die Protestanten zu tolerieren. Der Breslauer Fürstbischof starb am 28.09.1747 in Breslau und wurde im dortigen Dom bestattet.

Wenden wir uns nun den Sinzendorfern zu, die in der Herrschaft Plan eine Rolle spielten. Da war zunächst Johann Joachim von Sinzendorf, der die Herrschaft Plan im August 1665 von den Grafen Schlick kaufte. Doch bereits am 11.11. des gleichen Jahres verstarb Johann Joachim und die Witwe Marie Maximiliane Theresia, geb. von Althan übernahm die Verwaltung für ihre minderjährigen Söhne. Bald schon gab es Reibereien mit der Bevölkerung, denn die Herrin wollte dievon den Schlicks gewährten Privilegien beschneiden. Außerdem mischte sie sich in alles ein. Als dann noch Johann Pellet von Hund Schloßhauptmann wurde, wurde die Drangsalierung immer schlimmer. Doch Pellet von Hund fiel bei der Herrin bald in Ungnade, denn er arbeitete vor allem zu seinem eigenen Wohl. 1677 kaufte Marie Maximiliane die Herrschaft Triebl. Viel Geld investierte die Gräfin in die Kirchenrenovierungen. In St. Anna wollte sie ein Kloster gründen, erhielt aber keine Erlaubnis des Prager Erzbistums. Marie Maximiliane hielt sich meistens in Wien oder Prag auf. Mit der Verwaltung der Herrschaft Plan hatte sie ihren jüngsten Sohn Johann Joachim Michael betraut. Nach dem Tod der Mutter ihm Jahr 1689 erbte der älteste Sohn, Johann Weikhart die Herrschaft Triebl, Plan blieb bei Johann Michael. Doch auch unter seiner Herrschaft wurde das Verhältnis zwischen Schloss und Bürgerschaft nicht besser. Auch er wollte die Privilegien weiter beschneiden, vor allem das Braurecht störte ihn. Die Planer Bürger klagten dagegen beim Wiener Hof, ernteten aber eine Niederlage. Erst nach dem Tod Johann Joachims, der erst 36jährig in Schweidnitz/Polen starb, entspannte sich die Lage unter der neuen Herrin, Gräfin Anna Franziska, geborene Kinsky, etwas. Sie verwaltete den Besitz bis zu Volljährigkeit ihres Sohnes Franz Wenzel Michael. Leider hatte der junge Graf, der 1716 die Herrschaft nun übernahm, in der Auswahl seines Verwalters kein großes Glück. Diese überredete den Grafen eine Wirtschaftsreform durchzuführen und die meisten Rinder zu verkaufen und dafür Schafe zu erwerben. Für die Schafherden wurden Wälder abgebrannt und gerodet. An diese Zeit erinnert das Dorf Brand, das dieser ausgefallenen Idee seine Entstehung verdankt. Der Ertrag aus der Schafzucht blieb aber weit hinter den Erwartungen zurück. 1721-1726 wurde die abgebrannte St.-Anna-Kirche renoviert. Graf Sinzendorf begann auch im Jahr 1733 mit dem Umbau des Planer Schlosses. Doch schon ein Jahr später,  am 23.09.1734 verstarb der Graf im Alter von 39 Jahren. Seine Witwe, Marie Josephine von Sinzendorf, eine Schwester von Philipp Ludwig von Sinzendorf, Bischof von Raab, musste sich nun auch um die 6 minderjährigen Kinder, das älteste gerade einmal 11 Jahr alt, kümmern. Johann Joseph, der älteste, war im Österreichischen Erbfolgekrieg in die Armee Maria Theresias eingetreten. 1742 starb er aber schon mit 19 Jahren. Während des Krieges weilte die Familie Sinzendorf meistens in Wien oder Prag. So bekamen sie auch von der Epidemie, die in 1742 in Plan ausbrach und rund 300 Menschen das Leben kostete oder von den Gefechten zwischen den Österreichern und den Franzosen in der Stadt nicht viel mit. 1744 übernahm Franz Wenzel Joachim mit 20 Jahren die Herrschaft. Doch überließ er die Verwaltung seinem jüngeren Bruder Philipp. In ihrem Herrschaftsgebiet liessen sie sich jedoch sehr selten blicken. Franz Wenzel kaufte 1748 die Herrschaft Königsberg an der Eger und heiratete 1749 seine Verwandte Rosalie von Sinzendorf. 1757 wurde in einem Kataster festgehalten, wie groß die Herrschaft Plan damals war: neben Plan gehörte  die Bergstadt Michelsberg dazu, weiter 39 Dörfer mit 1o Herrenhöfen, 3 Schäfereien und 18 Mühlen sowie 67 Teiche. In Plan gab es damals 3 Brauereien: die herrschaftliche mit einem jährlichen Ausstoß von 1.282 Fässer Bier, die Stadtbrauerei mit 1.278 Fässer und eine weitere mit 1.527  Fässern. Franz Wenzel Joachim von Sinzendorf starb am 29.03.1792 in Wien. Die drei ältesten Söhne waren bereits verstorben und so erbte Okativan von Sinzendorf den Besitz. Als er mit 44 Jahren starb hatte er mit seiner Frau Maria Franziska von Kinsky nur eine Tochter. Den Besitz erbte daher ein entfernter Verwandter aus der Ernstbrunner Linie, Prosper von Sinzendorf.  Erst 1819 kam er zum ersten Mal nach Plan und schon 3 Jahre später starb er bei einem Verkehrsunfall. Damit war die Familie der Sinzendorf im Mannesstamm ausgestorben, nur die Schwester von Prosper lebte noch. Doch auch deren beide Ehen blieben kinderlos, mit ihrem Tod am 09.06.1842 erlosch die Familie ganz.

Nach dem Tod des Fürsten Prosper von Sinzendorf kam es zu langen Streitigkeiten um die Erbschaft zwischen Johann Wenzel, Graf Nostitz-Rieneck und Anton Franz Engel von Wagrain. Schließlich siegte Graf Nostitz-Rieneck.


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