Heimatkreis Plan-Weseritz e.V.
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St.-Anna-Gedächtniskirche


Am St.-Anna-Tag (26. Juli) waren die Erinnerungen an die Wallfahrt in Plan bei den Plan -Weseritzern besonders stark. Und wo war man der Heimat näher als in Mähring? Vom Pfaffenbühl konnte man hinüber sehen in die Heimat, sah viele vertraute Dörfer, aber auch die geliebte St. Anna-Kirche bei Plan. Schon im Herbst 1952 regte Franz Reiprich an, auf dem Pfaffenbühl eine Gedenkkapelle zu Ehren der Verstorbenen zu errichten. Im Heimatbrief wurde zu Spenden aufgerufen. Bereits am 26. Juli 1953 wurde die 3,5 x 5,5 m große Kapelle von P. Dr. Martin Fitzthum geweiht. H. Krauth hatte die Glocke gestiftet, mit der die rund 4.000 Wallfahrer zum Gottesdienst gerufen wurden. Das goldene St. Anna-Emblem über dem Eingang stammt von Hans Hübl, das Ehepaar Schmutzer stiftete das von Gustav Weigend geschaffene Bild der Anna-Selbdritt, eine Kopie des Hochaltares in Plan. Andreas Göhl fertigte die schmiedeeisernen Kerzenleuchter, das Altartuch wurde von Vertriebenen aus Hinterkotten gestiftet. Pfarrer Birner und Schulleiter Sommer pflanzten mit Mähringer Schulkindern im Jahr 1954 100 von der Forstverwaltung gespendete Bäumchen.

Schon bald war die Kapelle aber nicht mehr alleiniger Anziehungspunkt der Plan-Weseritzer. Junge Paare ließen sich hier trauen, bei Flurprozessionen war sie immer eine Station, Schulgottesdienste, Mai- und Jugendandachten fanden hier statt. Besonders durch die Bemühungen des aus Heiligenkreuz stammenden Josef Nadler, der in Mähring lebte, wurde die Kapelle von den Mähringern bald als die ihre angenommen.

Durch den stärker werdenden Strom der Wallfahrer war die Kapelle bald zu klein und man entschied sich nach reiflicher Überlegung zu einer Erweiterung. Mit der Gemeinde Mähring wurde ein Erbbaurechtsvertrag geschlossen, mit dem Landratsamt der Ausbau einer befestigten Zufahrt vereinbart und die Grünanlage geschaffen.

Der damalige Geschäftsführer des Heimatkreises Ing. Franz Valenta sollte bis zum Herbst 1965 Vorschläge für die Erweiterung und einen Kostenvoranschlag vorlegen. Seiner Fachkenntnis, seinem Einsatz, aber auch seinem Gespür für das Auffinden von Hilfskräften ließen ihn zum „Erbauer“ der St.-Anna-Kirche werden. Damit soll aber der Einsatz aller Mitwirkenden nicht vergessen werden. Doch das, was Franz Valenta hier als Planer, Bauleiter und Organisator unentgeltlich geleistet hat, ist außerordentlich. Ja selbst vom Krankenhausbett aus organisierte er noch vieles.

Aus Pietät vor den Opfern, die für die erste Kapelle aufgebracht worden waren, sollte diese als Altarraum der neuen Kirche erhalten bleiben. Das neue Kirchenschiff hatte ein Ausmaß von 9 x 11 m, 50 Sitz- und 50 Stehplätze. 1966 wurde der Grundstein gelegt, den Rohbau erstellte die Firma Emil Schicker aus Tirschenreuth. Der Rohbau verschlang aber fast die veranschlagte Gesamtbausumme, denn Wasser und Strom musste für den Bau extra verlegt. Landkreis und Patenstadt Tirschenreuth sowie die Marktgemeinde Mähring gewährten großzügige Hilfe und die Plan-Weseritzer spendeten vorbildlich. Beim 15. Heimattreffen 1967 konnte Bischof Dr. Rudolf Graber die Kirche weihen.

Das nächste Bauvorhaben war der Anbau eines Turmes im Jahr 1973, von dem man weit hinüber in die Heimat sehen konnte. Der Verbindungstrakt diente nun als Sakristei, der Altarraum konnte neu gestaltet werden. Aussen am Verbindungstrakt befinden sich Granitplatten, auf denen man den Umfang des Heimatkreises und die Orte der beiden Bezirke Plan und Weseritz findet. Im Turm wurden Ehrentafeln mit dem Namen verstorbener Persönlichkeiten angebracht, die sich um den Kirchenbau verdienst gemacht haben.
1980 kam im Außenbereich der von H.Haber geschaffene Kreuzweg hinzu, um die Außenanlagen kümmerten sich in vorbildlicher Weise Josef und Helga Weigel und seit dem Tod von Josef Weigel gehen Rudolf Schmeller und Herbert Rath Frau Wiegel zur Hand. Noch einmal wurde die Kirche um 5 Meter verlängert, dabei auch 4 bunte Glasfenster eingesetzt. 1982 wurde der neue Hauptaltar von Weihbischof Karl Flügel konsekriert.


Doch nun zu einigen bemerkenswerten Ausstattungsstücken: Im Übergang zwischen dem letzten Anbau zu den Sitzplätzen schufen Hans und German Heimrath 1993 ein Gemälde: Die Vertreibung der Plan-Weseritzer. 15 Menschen drängen sich aus einem düsteren Raum, der durch die Silhouette der St. Anna-Kirche und entlaubten Bäumen symbolisiert wird, in den Vordergrund. Eine Bauersfrau nimmt kosend von den Ähren Abschied, ein Greis schreitet mit erhobenem Haupt, seine Habe trägt er als Bündel über der Schulter. An seinem linken Arm eine junge Frau, deren Blick ausweglos scheint. Dahinter umarmt und stützt ein junger Mann seine Frau, die verzweifelt ihr Haupt in die Hände drückt. Dahinter Frauen, apathisch, voller Trauer und Resignation, aber auch mit zum Gebet gefalteten Händen. Vor dem Feld rasten zwei Frauen. Die eine hat ihr Bündel abgelegt und stützt erschöpft den Kopf, die andere umarmt verzweifelt ihr Kind. Am vorderen Rand des Ährenfeldes eine Totenleuchte. Diese soll an die zahllosen Menschen erinnern, die durch die Vertreibung ihr Leben verloren haben. An der Spitze der Gruppe eine helle Frauengestalt, die an der linken Hand einen Knaben hält, mit der rechten in die linke Bildzone zeigt. Hier erhebt sich die Silhouette von St Anna auf dem Pfaffenbühl. Vor den angedeuteten Grenzpfählen deuten Steine, Disteln und Dornen auf den Weg, den die Heimatvertriebenen auf Ihrem Weg zu einem Leben in Menschenwürde und Freiheit durchschreiten mussten.


Die neuen Glasfenster zeigen symbolisch 4 Heilige, deren Reliquien bei der Konsekration des neuen Altars 1982 in diesen eingelegt wurden:
Das erste Fenster links ist dem Hl. Wenzel gewidmet. Der rote Herzoghut zeigt Wenzel als den Herrscher Böhmens. An seinen Märtyrertod - Wenzel wurde 929 von seinem Bruder Boleslaus am Portal der Kirche in Altbunzlau ermordet - erinnern die 3 Blutstropfen, die vor dem Kreuz des Kirchenportals in einen Blutstrom münden, der die Christianisierung Böhmens darstellen soll. Die aus dem Blut ragende Lanze weist auf Wenzels Einsatz um die Christianisierung hin. Der Adlerschild erinnert an die starke Bindung Böhmens an das Heilige Reich.
Das zweite Fenster zeigt den Brückenheiligen, den Hl. Nepomuk. Über der Karlsbrücke erhebt sich der Prager Veitsdom. Das stürzende Kreuz weist auf seinen Märtyrertod hin. Die aus den Fluten aufragende Palme deutet seine Heiligung an. Der Kranz aus 5 Steinen vor dem Kreuz versinnbildlicht den Sternennimbus, als Zeichen, dass Gott sein Zeugnis für die Kirche angenommen hat.
Das erste Fenster rechts ist dem Hl. Johann Nepomuk Neumann gewidmet. Neumann, in Prachatitz geboren, betreute als Seelsorger Einwanderer in Amerika. Mitra und Stab weisen auf sein Bischofsamt in Philadelphia hin, von wo aus er 73 Schulen und Kirchen gegründet hat. Das aufgeschlagene Buch soll symbolisieren, dass er als Schöpfer des katholischen Schulwesens in den USA gilt, wo er 1860 auch verstarb.
Das 4. Fenster zeigt den Hl. Clemens Maria Hofbauer, der 1751 im südmährischen Taßwitz geboren wurde. Lange Zeit wirkte er in Wien, darauf deutet die Silhouette des Stephansdomes hin. Das aus dem Mauerrund aufragende Kreuz symbolisiert seine Ausstrahlung in die Welt. Die in ein stilisiertes R fallende Stola versinnbildlicht das Wirken des „Redemptoristen“ als Beichtvater. Die blaue Blume kennzeichnet Neumann als Zentralgestalt der Deutschen Romantik.
Gemeinsam ist allen 4 Fenstern das Kreuz als Zeichen der Erlösung. Gemeinsam haben sie auch die Farbe Rot als Zeichen des Martyriums und Zeichen für Christus. Gemeinsam haben sie außerdem die Farbe Gold. Auf mittelalterlichen Bildern bedeutete der Goldgrund die Einheit des christlichen Kosmos. Die Bruchstückhaftigkeit in den Fenstern soll aber an die Zerrissenheit der Welt mahnen.

Die alte Kapelle aus dem Jahr 1953 ist unschwer als das Presbyterium zu erkennen. Neben dem Tabernakel schweben 2 Engel. Die Tabernakelengel knüpfen an eine jahrhundertelange Tradition der Tabernakelengel im böhmischen Raum an. Der rechte Engel verkörpert den dynamischen Typus des Boten und Künders: Er greift das Band mit der Schrift „Venite Adoremus“ (kommt lasset uns anbeten) von unten, seine Gestalt zeigt auch durch das eher waagrechte mehr Bewegung. Ihm gegenüber ein Engel, der stärker aufgerichtet ist. Er gebiete der Vehemenz des anderen Engel Einhalt, er greift das Band auch von oben. Beide Engel zeigen gleichzeitig kündend, auffordernd und bewahrend auf den Tabernakel. Die Engelgruppe, ein Werk von German Heimrath, entstand 1990.

Rechts neben dem Altar in der Nische der Gnadenaltar. Das Bild, eine Kopie des Planer Gnadenbildes, wurde von Gustav Weigend geschaffen. Die Mensa, entworfen von Franz Valenta, trägt den Refrain des St. Anna-Liedes. Das Gnadenbild findet sich in dieser Gestaltung nur sehr selten. Normalerweise sitzt Anna auf einem Thron, ihre Tochter auf dem einen Bein sitzend, auf dem anderen das Jesuskind. Hier stehen sich beide Frauen gegenüber. St. Anna mit einem Eheschleier um Haupt und Hals und einer ausladenden Krone. Maria als Jungfrau gekennzeichnet durch das lange offen herabwallende Haar. Beide haben auf einem kostbaren Tuch das Jesuskind, das Kind hebt sein gekröntes Haupt, rückt dabei näher zu seiner Mutter. In der linken trägt es den Reichsapfel, mit der rechten segnet es den Betrachter. Kopfschmuck der Mutter und des Kindes sind den böhmischen Kronen nachempfunden. Während das Jesuskind von einer vollen Goldscheibe umgeben ist, hat seine Mutter nur einen kräftigen Reifen, Anna einen zarteren.
1996 schuf German Heimrath für das Gnadenbild einen Akanthusrahmen. Er ist den seit dem 17. Jh. im Egerland beliebten Akanthus-Schnitzereien nachempfunden. Im Rankenwerk symbolisieren die 3 Rosen Anna, Maria und das Jesuskind. Die Mensa wurde mit einem Antependiumsfries umgeben, um als Mahnmal an die zerstörten Kirchen, Kapellen und Denkmäler aus Gemeinden des Plan-Weseritzer Gebietes zu erinnern.

Auf der anderen Seite der Zugang zu Sakristei. Das Buntglasfenster geschaffen von Helmut Käst. Das gütige, göttliche Wirken zeigt sich im blauen Rund der oberen Halbscheibe, darunter die mit den Spitzen zur Erde weisenden Feuerzungen, die die Gnadengaben der göttlichen Dreieinigkeit darstellen.
Die Madonna ist ein Werk von Anna Lung-Korn.

Über dem Haupteingang zur Kirche eine Tafel mit Worten des Priesterpoeten Johann Andreas Blaha : „Laß Dir die Fremde zur Heimat, aber die Heimat nie zur Fremde werden.

Zu der Gedenkstele hinter der Kirche: Auf dem Glitschauer Kirchberg stand seit dem Jahr 1741 ein fast 4 m hohe barocke Johannes-Statue, die im Jahr 1973 von jungen Tschechen zerstört wurde. Ein tschechischer Bauer beobachtet das Ganze und fand später den Kopf der Statue an der Miesabrücke in Glitschau. Er barg ihn und bewahrte ihn zu Hause auf. Als 1974 die Tochter des letzten Glitschauer Bürgermeisters in ihre Heimat fuhr, erhielt sie von dem Finder den Torso. Auf Initiative und Kosten des ehemaligen Bürgermeisters von Glitschau, Josef Wiederer, wurde der Kopf in eine von Steinmetz Wamser jun. gefertigte Stele eingesetzt und 1975 in Anwesenheit vieler Glitschauer vom damaligen Mähringer Ortspfarrer Josef Birk geweiht.


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